Goldenes Aluminiumblech als architektonisches Statement
Metall und Design
Über dem Ufer des Vierwaldstättersees setzt ein Neubau ein starkes Zeichen für die gestalterische und technische Kraft von Metall. Goldig eloxierte Aluminiumbleche prägen den stufenförmigen Baukörper – präzis verarbeitet, fein detailliert und konsequent in Szene gesetzt. Ein Projekt, das hohe ästhetische Ansprüche mit metallbaulicher Exaktheit verbindet.
Login
Danke für Ihr Interesse an unseren Inhalten. Abonnenten der Fachzeitschrift metall finden das Login für den Vollzugriff im Impressum der aktuellen Printausgabe. Das Passwort ändert monatlich.
Jetzt registrieren und lesen. Registrieren Sie sich um einzelne Artikel zu lesen und einfach per Kreditkarte zu bezahlen. (CHF 5,- pro Artikel)
Als registrierter Benutzer haben Sie jederzeit Zugriff auf Ihre gekauften Artikel.
Sollten Sie als interessierte Fachkraft im Metall-, Stahl- und Fassadenbau die Fachzeitschrift metall tatsächlich noch nicht abonniert haben, verlieren Sie keine Zeit und bestellen Sie Ihr persönliches Abonnement gleich hier.
Metall und Design
Goldenes Aluminiumblech als architektonisches Statement
Über dem Ufer des Vierwaldstättersees setzt ein Neubau ein starkes Zeichen für die gestalterische und technische Kraft von Metall. Goldig eloxierte Aluminiumbleche prägen den stufenförmigen Baukörper – präzis verarbeitet, fein detailliert und konsequent in Szene gesetzt. Ein Projekt, das hohe ästhetische Ansprüche mit metallbaulicher Exaktheit verbindet.
Schon aus der Distanz wirkt der Neubau über dem Vierwaldstättersee ruhig und souverän. Erst beim Näherkommen entfaltet sich die ganze Raffinesse der metallischen Hülle. Goldig eloxierte Aluminiumbleche fassen, gliedern und akzentuieren den Baukörper. Sie sind nicht bloss Verkleidung, sondern integraler Bestandteil der architektonischen Idee – technisch durchdacht und optisch von bemerkenswerter Tiefe.
Für die Planung, Herstellung und Montage der anspruchsvollen Metallbauarbeiten zeichnete die Schaller Josef AG aus Buchrain verantwortlich. Verarbeitet wurden Aluminiumbleche mit einer Stärke von 3 mm, versehen mit einem sehr tiefen Vertikalschliff. Nach dem Schleifen wurden die Bleche werkseitig in einem Goldton mit hohem Glanzgrad eloxiert. Sämtliche am Bau eingesetzten Bleche weisen diesen tiefen Vertikalschliff auf, was zu einem homogenen, gleichzeitig aber lebendigen Erscheinungsbild führt.
Die benötigten Blechmengen wurden auf Basis der Architektenauszüge frühzeitig definiert und noch vor Beginn der Detailplanung bestellt. Ein Umstand, der dem Projekt eine zusätzliche Komplexität verlieh. Für die Beschaffung der doch sehr speziellen Bleche übernahm die Bauherrschaft die Verantwortung. So auch für die Blechqualität, das Schliffbild und die Eloxalfarbe. Ausschuss war keine Option. Die geschliffenen und eloxierten Aluminiumbleche wurden in Deutschland gefertigt und zuhanden des Metallbauers angeliefert.
Die goldene Fensterzarge als Blickfang
Ganz oben am Gebäude manifestiert sich die gestalterische Kraft des Materials besonders eindrücklich. Eine goldig schimmernde Zarge fasst das grosszügige, seeseitig ausgerichtete Panoramafenster ein. Je nach Tageszeit und Lichteinfall changieren Glanzgrad und Helligkeit – mal zurückhaltend matt, mal fast leuchtend.
Die Zarge ist bewusst unterschiedlich proportioniert: Während sie oben und links sehr breit ausgebildet ist, reduziert sich ihre Breite unten und rechts auf etwa die Hälfte. Diese subtile Asymmetrie verstärkt die optische Wirkung zusätzlich. Technisch wie gestalterisch raffiniert ist die Ausbildung der Fläche: Die Zarge ist nicht plan, sondern vertieft sich von der Aussenkante zum Fensterglas hin um mehrere Zentimeter. Dadurch treten die Eckausbildungen besonders prägnant hervor und verleihen dem Detail eine technische Eleganz. Die einzelnen Blechfügungen sind mit rund 10 mm Distanz fein gehalten, gleichzeitig aber so ausgelegt, dass sie sämtliche zu erwartenden Deformationen sicher aufnehmen können.
Hinterlüftete Blechfassade bergseitig
Während die seitlichen Gebäudeflanken mit einem hohen Glasanteil Transparenz erzeugen, zeigt sich die bergseitige Fassade geschlossen und robust. Im Bereich des Gebäudekerns ist sie als hinterlüftete Blechfassade ausgeführt. Zum Einsatz kamen 90 °abgekantete Aluminium-Kuchenbleche, ebenfalls 3 mm stark, tief geschliffen und goldig eloxiert. Die oberen und unteren Blechfelder unterscheiden sich bewusst in ihrer Einteilung. Oben grosszügiger dimensioniert, unten deutlich feiner gegliedert. Die Bleche sind gegen innen abgekantet und seitlich mit Einhängeschlitzen versehen. So sind sie an den Bolzen der Unterkonstruktion aushängesicher, gleitend befestigt. Dahinter liegt die isolierende Hartschaumdämmplatte. Die vertikalen Fugen sind auch hier dezent und präzise ausgebildet – ein Detail, das der Fassade zusätzliche Eleganz verleiht.
Metall entlang der Treppe
Besonders plastisch wirkt die hinterlüftete Blechfassade beim seitlichen Treppenaufgang. Die Verkleidung folgt den abgestuften Konturen der Treppe und verstärkt deren Rhythmus. Der tiefe, vertikale Schliff der Bleche tritt hier besonders stark in Erscheinung, nicht zuletzt durch die 90-Grad-Eckausbildungen, die zu sehr unterschiedlichen Lichteinstrahlungen führen. Licht und Schatten werden zum gestalterischen Mittel, das Metall zur Bühne.
Fein abgestimmte Ergänzungen
Weitere Blechverkleidungen rund um das Gebäude schaffen eine stimmige Verbindung zwischen der beigen, verputzten Fassade, den goldenen Aluminiumflächen und dem kristallfarbenen Glas. Unterschiedliche Sonnenstände verändern das Erscheinungsbild laufend und verleihen dem Bau eine subtile Dynamik.
Edel präsentiert sich auch der aussenseitige Treppenabgang. Ein Ganzglasgeländer kombiniert sich mit der verblechten Betonscheibe des Treppenkerns. In die Bleche integrierte Leuchtkörper sorgen bei Nacht für Sicherheit und setzen gleichzeitig feine Lichtakzente.
Garageneinfahrt mit technischer Raffinesse
Ein weiteres Highlight ist die Garageneinfahrt mit automatisiertem Falt-Schiebe-Tor. Die aussen auf die Flügel aufgesetzte Blechverkleidung wurde bereits im Werk des Torbauers montiert und verschraubt. Die Toranlage besteht aus einem Festteil und drei Falt-Schiebe-Flügeln. Deren Verkleidungen sind mit quadratischen, lasergeschnittenen Lochstreifen versehen – eine Lösung, die optische Leichtigkeit mit funktionaler Lüftung verbindet. Das Tor ist schwellenlos ausgeführt und ermöglicht eine barrierefreie Durchfahrt und Begehung. Im Bereich der Trag- und Führungsrollen waren präzise Ausschnitte in den Verkleidungsblechen erforderlich, die sich sauber in das Gesamtbild einfügen.
Materiallogistik und Oberflächenkompetenz
Standardbleche ohne Ausschnitte wurden – wie bereits erwähnt - fertig geschliffen und eloxiert aus Deutschland angeliefert. Für speziell zu bearbeitende Elemente – etwa mit Laserausschnitten – kam geschliffenes Aluminiumblech aus Deutschland zum Einsatz, das in der Schweiz lasergeschnitten und auch abgekantet wurde. Die anschliessende Eloxierung erfolgte bei der BWB-Altenrhein AG. Um die Zielfarbe möglichst exakt zu treffen, arbeitete man mit einem Grenzmuster zur Annäherung an den gewünschten optischen Effekt.
Oswin Felder, Mitinhaber und Geschäftsführer der Schaller Josef AG, beschreibt das Projekt so: «Dieses nicht alltägliche Projekt erwies sich für unser Team von der Planung über die Herstellung bis zur Montage als äusserst delikat. Über alle Prozesse hinweg war höchste Genauigkeit und Vorsicht gefordert. Die Regelbleche mussten fertig geschliffen und goldig eloxiert bestellt werden, bevor die Detailplanung richtig gestartet war – Ausschuss durfte es in keiner Phase geben.»
Besonders anspruchsvoll sei auch die Eloxierung der massspeziellen, vorgeschliffenen Bleche in der Schweiz gewesen. «Möglichst geringe Abweichungen von den Originalblechen zu erreichen, war eine echte Herausforderung. Die BWB Altenrhein AG hat hier sehr gute Arbeit geleistet.»
Entstanden ist ein Bauwerk, das zeigt, wie Metallbau, Oberflächenqualität und architektonische Haltung auf höchstem Niveau zusammenspielen können – präzise, edel und mit nachhaltiger Wirkung. ■
Bautafel / Panneau de chantier
Objekt:
Privathaus, Zentralschweiz
Bauleitung:
Cerutti Partner Architekten, Dierikon
Oberflächentechnik:
BWB Altenrhein AG
Blechlieferant:
Metallvertrieb GmbH, Saaldorf-Surheim (D)
Metallbauer:
Schaller Josef AG, Kamin- und Metallbau, Buchrain